Von Sorgen, Ängsten und anderen Energiekillern

Krisenzeiten sind Sorgenzeiten. Die Menschen haben Angst vor der Krankheit, dem Verlust ihres Arbeitsplatzes, dem Wirtschaftsverfall. Außerdem droht der Sommerurlaub ins Wasser zu fallen. Kann es etwas Schlimmeres geben?

Zugegeben, es ist nicht gerade angenehm, wenn man sieben Wochen das Haus nicht verlassen darf. Ganz zu schweigen von Doppel- und Dreifachbelastung durch Homeoffice, Homeschooling und Haushalt. Es ist auch nicht angenehm, mit Maske zum Einkaufen oder zum Frisör zu gehen. Und der Gedanke, dass dies noch endlos lange weitergehen oder in den kommenden Jahren immer wieder kehren könnte kann einem ganz schön zusetzen. Das Sorgenkarussell beginnt sich im Kopf zu drehen, die Stimmung wird trübe, die Energie geht gegen Null. Und was ist die Ursache? Das Corona-Virus? Oder doch viel eher das verselbstständigte Gedankenprogramm in unseren Köpfen?

Schauen wir etwas genauer hin. Denn inmitten all der Sorgenkünstler gibt es auch die Menschen mit den echten Problemen. Menschen, die sich angesteckt haben und schwer krank im Spital liegen. Menschen, von denen Angehörige erkrankt sind. Menschen, in deren Familien die Situation so eskaliert, das Gewalt auf der Tagesordnung steht. Menschen mit gravierenden finanziellen Problemen, weil Arbeitslosenbezug oder Kurzarbeitsgeld einfach nicht bis zum Monatsletzten reichen.

Wir haben verlernt, zwischen Sorgen und Ängsten auf der einen Seite und Problemen und Furcht auf der anderen zu unterscheiden. Sorgen sind Negativgedanken, die sich in aller Regel um ein „Was wäre wenn…“ drehen. Die daraus resultierenden Ängste sind weder konkret noch sind sie manifest. Oft sind sie für andere schwer nachvollziehbar. Das Üble daran: Sie lähmen denjenigen, der von ihnen befallen ist.

Probleme und Furcht gründen dagegen in ganz konkreten Gefahrensituationen, die bereits manifest sind. Zudem ist die potenzielle Gefährdung für andere nachvollziehbar. Im besten Fall sind echte Probleme und die Furcht vor negativen Konsequenzen Impulse, die uns aktivieren. Durch sie werden wir handlungsfähiger.

Dale Carnegies Angstlösungstechnik

Ein Klassiker, um zwischen Sorgen und echten Problemen zu unterscheiden, ist die Angstlösungstechnik von Dale Carnegie.

  • Zunächst schreibt man auf, wovor man sich fürchtet.
  • Dann bewertet man,
    • wie wahrscheinlich es ist, dass das Befürchtete eintritt und
    • wie stark die Auswirkungen auf das eigene Leben sein könnten.

      Unwahrscheinliche Ereignisse und Ereignisse, die keinen großen Einfluss auf das eigene Leben haben, hat man damit bereits als Sorgen entlarvt, die man sich schenken kann.
  • In einem dritten Schritt sammelt man lauter Aktivitäten, mit denen man das angsteinflößende Ereignis entschärfen kann. Mit einem roten Stift markiert man alle Möglichkeiten, die schnell umsetzbar sind, mit einem grünen alle, die leicht umsetzbar sind.
  • Nun liest man alle möglichen Maßnahmen nochmals durch und bewertet neu. Wenn ich alle rot und grün markierten Maßnahmen ergreife,
    • wie wahrscheinlich ist es noch, dass das Befürchtete eintritt und
    • wie stark wäre die Auswirkungen auf das eigene Leben.

Vor dem Hintergrund eines solchen Maßnahmenplans können wir die meisten Sorgen abhaken. Und bei jenen, die trotzdem bestehen bleiben, wissen wir, was zu tun ist.